VON MIRIAM ECKERT
Simbach. Fehlt es der Republik an Hirn? Es wird stupide gelocht im Bundesamt für registrierte Blödheit. Das Ausgestanzte wird von den zwei Mitarbeitern akribisch in Plastiktüten gesammelt. Kommt eine Agenturmeldung über die neusten Erkenntnisse der Dummheit ins Amt, wird sie kurz vorgelesen. Den ganzen Kabarettabend im Lokschuppen geht es so.
Den beengten Arbeitstisch im Amt teilen sich Herr Zibolla (Jürgen Zierer) und Frau Schmutzinger (Bianca Bachmann). Die Papierberge stapeln sich vor ihnen, drumherum werden mit Desinfektionsmitteln die vermuteten Ehec-Keime beseitigt. Ganz nach dem Motto „Wir leben unter dem gleichen Himmel, haben aber nicht denselben Horizont“ vermutet das Duo, das unterschiedlicher nicht sein könnte, Blödheit überall.
Zuallererst bei den Politikern auf Bundes- und Landesebene. Voller Energie spielen sich Jürgen Zierer, der 1991 die Couplet-AG ins Leben rief, und Bianca Bachmann, die seit 2010 mit von der Partie ist, die Pointen zu.
Vor allem Zierer wechselt voller Aktionismus von einer Rolle in die nächste. Mal probt er den Zwergenaufstand der SPD mit Zipfelmütze, dann mimt gekonnt Ludwig Aiwanger von den Freien Wählern, der auf „Ude, die Großstadtballerina“ schimpft und mit langgezogenen Vokalen „Ich bin so wich-tig“ unermüdlich Frau Schmutzinger bedrängt.
Horst Seehofer und die CSU-Wähler kommen nicht besser davon: Ein Lied im Sandmännchenstil hat die Couplet-AG „voller Vertrauen“ für ihn gedichtet. Als „Kasper Poldi und Gretel“ verkleidet attackieren sie Westerwelle und Guttenberg . „Denn jeder Graf braucht einen Hofnarr“, oder nicht? Ab morgen also wieder Hirn, verspricht das Programm der Couplet-AG. Aber zunächst erfährt das Publikum, wie es sich heute ohne dieses Organ lebt, das - dies sei noch kurz eingefügt, weil es Frau Schmutzinger sehr wichtig ist - beim Menschen 1480 Gramm wiegt, beim Elefanten fünf Kilogramm, beim Pottwal sogar 8,6 Kilogramm.
Ohne Hirn lebt es sich leichter, man stoibert vor sich hin, erfüllt einfach nur leere Versprechungen, erzählen die Experten vom Amt. „Dumm zu sein bedarf es wenig und wer dumm ist, der ist König“, weiß die Couplet- AG - und das Publikum stimmt sofort in den Refrain ein. Für die Lieder dürfen die Berufspapierlocher aufstehen und auch mal aktiv mitmachen. Hans Dettendorfer an der Gitarre und Percussion begleitet mit Bernhard Gruber, der Akkordeon, diatonische Harmonika, Melodika, Gitarre, Blues-Harp, Maultrommel und Percussion spielt, die bissigen stimmungsvollen Lieder der Amtsleitung. Doch auch mit der Haribotüte kann man Musik machen, befindet Frau Schmutzinger und begleitet die Lieder auf ihre Art.
Brillant spielen Zierer und Bachmeier den grantigen Bauern Josef und seine scharfzüngige Frau Berta, die eifersüchtig auf die „Frau von GPS“ ist. Auf der Fahrt zum Seniorenheim erzählen sie Anekdoten von ihrem Wunderferkel Merkel, das den Hof regiert.
Den dementen Opa im Bademantel, der eine zerfledderte Aktentasche umklammert, spielt Jürgen Kirner absolut überzeugend. Ständig ist er auf der Suche nach etwas. „Haaaaaben Sie ein Hirn gesehen?“, krächzt er lauthals ins Publikum. Um seinen rockigen Aufstand im Seniorenheim zu unterstützen, greift Berta beherzt zum E-Bass. „Weg mit den Schnabeltassen“, fordern sie. Stattdessen soll die Rollwagen-Armee sich Schampus reinpfeifen.
Das Publikum wird im Musikkabarett viel mit einbezogen, so mancher muss sich Kommentare und hintergründige Fragen übers Hirn gefallen lassen. „Die Papierstapel, die Situationen, es ist alles wie im Leben“, witzeln einige Gäste. „Gut, dass man drüber lachen kann.“
Und wurde das Hirn nun gefunden? Die Couplet-AG verrät: „Die Blödheit ist gleich verteilt. Deswegen, denkt immer positiv“ - und lässt das gelochte Konfetti im Scheinwerferlicht glitzern.
